
Lassen Sie uns ehrlich sein. Viele Hoteliers haben ein Problem: Sie sind zu nett. Es ist 18:00 Uhr. Ein Gast checkt ein. Er ist freundlich, müde von der Reise, und Ihre Junior-Suite steht für diese Nacht leer. Was machen 90% der Manager? Sie denken: "Bevor sie leer bleibt, gebe ich ihm ein kostenloses Upgrade. Das ist gute Gastfreundschaft."
Der Gast freut sich. Sie fühlen sich großzügig. Aber aus der Sicht eines Hotel Revenue Management Experten haben Sie gerade einen kapitalen Fehler begangen. Sie haben Ihr wertvollstes Produkt (die Suite) verschenkt. Sie haben den Gast daran gewöhnt, dass er für den Standard-Preis eine Premium-Leistung bekommt.
Wenn Sie Ihren RevPAR steigern wollen, müssen Sie aufhören, eine Wohltätigkeitsorganisation zu führen. Ein leeres Zimmer ist kein Grund für Geschenke. Es ist eine Chance für einen Verkauf. Der Gratis-Upgrade-Exit ist der erste Schritt zu einem profitablen Hotel.
2. Die Psychologie: Warum der Check-in der falsche Ort für Upselling ist
Viele Hotels versuchen, Zusatzverkäufe im Hotel direkt an der Rezeption zu generieren. "Möchten Sie für 50€ mehr in die Suite?" Meistens lautet die Antwort: "Nein, danke."
Warum? Ist der Gast geizig? Nein. Der Grund ist psychologisch. Beim Check-in ist der Gast im "Funktions-Modus". Er ist erschöpft, er hat Gepäck dabei, er will den Schlüssel und eine Dusche. Sein Gehirn blockiert jede Entscheidung, die Geld kostet.
Aber es gibt ein magisches Zeitfenster, das die meisten Hotels ignorieren. Wir nennen es die "Dopamin-Zone". Das sind exakt 72 Stunden vor Anreise.
In diesem Moment sitzt der Gast zu Hause oder im Büro. Er freut sich auf die Reise. Die stressige Buchung ("Wie teuer ist das?") ist längst vergessen. Jetzt regiert die Vorfreude. In diesem Zustand ist das menschliche Gehirn statistisch gesehen 3x offener für Upgrades. Er will sich "etwas gönnen". Er will, dass diese Reise perfekt wird. Hier müssen wir ansetzen. Hier liegt das Geld.
3. Die Strategie: Die perfekte "Pre-Arrival E-Mail"
Vergessen Sie langweilige Bestätigungsmails. Um eine effektive Hotel Upselling Strategie zu fahren, brauchen Sie eine E-Mail, die verführt. Diese Mail geht automatisch 3 Tage vor Anreise raus.
Der Betreff (Hook): Schreiben Sie nicht "Ihre Anreiseinformationen". Das ist langweilig. Schreiben Sie: "Herr Müller, möchten Sie Ihren Aufenthalt unvergesslich machen?" oder "Ein exklusives Angebot für Ihre Anreise."
Der Inhalt (Der "Decoy-Effekt"): Bieten Sie nicht einfach nur ein Zimmer an. Bieten Sie Pakete an, die den Wert (Value) betonen. Das Gehirn liebt Vergleiche.
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Option A (Der Anker): Standard-Zimmer (0€ Aufpreis).
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Option B (Der Star): Junior-Suite mit Panoramablick (+49€). Zeigen Sie hier das beste Foto des Ausblicks, nicht das Bett.
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Option C (Das Erlebnis): Das "Wellness-Paket" (+79€). Inklusive Suite, Late Check-out bis 14:00 Uhr und einem gesunden Vital-Frühstück auf dem Zimmer.
Merken Sie den Unterschied? Wir verkaufen keine "Betten". Wir verkaufen "Zeit" (Late Check-out), "Gesundheit" (Vital-Frühstück) und "Status" (Suite). Viele Gäste werden Option B wählen, weil sie im Vergleich zu Option C günstig wirkt. Das ist klassische Verkaufspsychologie.
4. Die Mathematik: Warum Upselling reiner Gewinn ist
Lassen Sie uns die Zahlen betrachten, wie es ein CFO tun würde. Wenn Sie ein neues Zimmer über Booking.com verkaufen, zahlen Sie 15-18% Provision. Dazu kommen Reinigungskosten, Wäsche, Strom. Die Marge ist oft dünn.
Aber bei einem Upgrade? Die Suite war sowieso verfügbar (Fixkosten gedeckt). Das Personal ist sowieso da. Wenn Sie die Suite für 49€ Aufpreis verkaufen, sind diese 49€ zu fast 100% Netto-Gewinn. Es fallen keine zusätzlichen OTA-Provisionen an (da Sie den Gast direkt kontaktieren).
Eine erfolgreiche Pre-Arrival Upselling Kampagne kann den durchschnittlichen Umsatz pro Gast (ADR) um 10% bis 15% erhöhen. Bei einem Hotel mit 100 Zimmern kann das am Ende des Jahres einen Unterschied von 50.000€ bis 100.000€ reinem Gewinn ausmachen. Geld, das Sie sonst "verschenkt" hätten.
5. Über das Zimmer hinaus: Kreative (und erlaubte) Upsells
Upselling bedeutet nicht nur "besseres Zimmer". Denken Sie an Dienstleistungen, die das Gästeerlebnis optimieren und hohen Profit bringen, ohne ethische Grenzen zu überschreiten:
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Early Check-in / Late Check-out: Dies ist das profitabelste Produkt überhaupt. Es kostet Sie nichts, außer Organisation. Verlangen Sie 20€ dafür. Gestresste Geschäftsreisende oder Familien zahlen das liebend gerne für mehr Komfort.
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Der Flughafen-Transfer (VIP): Kooperieren Sie mit einem lokalen Anbieter für Luxus-Limousinen. Der Gast zahlt für Sicherheit und Komfort. Sie erhalten eine Provision.
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Wellness & Spa auf dem Zimmer: Bieten Sie hochwertige Badezusätze, extra flauschige Bademäntel oder eine Massage-Reservierung vorab an.
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Das "Business-Paket": Garantierter ruhiger Arbeitsplatz, High-Speed-WLAN-Upgrade und Kaffeemaschine im Zimmer.
6. Automatisierung: Geld verdienen im Schlaf
Sie denken jetzt vielleicht: "Ich habe keine Zeit, jedem Gast eine E-Mail zu schreiben." Das müssen Sie auch nicht. Moderne Hotel Revenue Management Systeme oder Tools wie Oaky, Nor1 oder einfach Ihr PMS können das automatisieren.
Sie richten es einmal ein. Das System prüft: "Ist die Suite frei?". Wenn ja, geht das Angebot raus. Wenn nein, bietet es etwas anderes an (z.B. Frühstück). Sie verdienen Geld, während Sie schlafen.
7. Nehmen Sie das Geld, das auf dem Tisch liegt
Ihr Hotel ist ein Geschäft. Jedes kostenlose Upgrade ist eine verpasste Chance, Ihren Wert zu beweisen. Gäste schätzen Dinge mehr, wenn sie dafür bezahlen. Ein Gast, der für die Suite bezahlt hat, genießt sie bewusster als einer, der sie geschenkt bekam.
Nutzen Sie die "72-Stunden-Strategie". Hören Sie auf, den Zufall entscheiden zu lassen. Fangen Sie an, aktiv zu verkaufen. Ihr Bankkonto wird es Ihnen danken.